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![]() Fotos: Rupert Larl, A-6094 Axams |
"Jesus Christ Superstar" ist eines
ältesten, erfolgreichsten und
meistgespieltesten Stücke von Sir Andrew Lloyd Webber; mit jeder
Inszenierung fällt es darum schwerer, dem Stück noch etwas
Neues abzugewinnen. Zudem kennt bei diesem Stück jeder Zuschauer
das Thema, und Änderungen am Text sind schon aus rechtlichen
Gründen nicht möglich. So gesehen kann man als Regisseur und
Dramaturg bei diesem Stück nur verlieren; der Grat zwischen
zwanghafter Veränderung, nur um etwas Neues zu bringen, und
langweiligem Abkupfern von älteren Inszenierungen ist sehr schmal.
Auch Regisseur Pierre Wyss
und Dramaturgin Doris Happl
mußten bei der Neuinszenierung am Tiroler Landestheater in
Innsbruck, die am vergangenen Samstag (19.05.2007) Premiere hatte,
diese
Gratwanderung meistern. Dies gelang ihnen, soviel sei vorausgeschickt,
leider nur teilweise.
Drogen, "Opium für das Volk";
Römer = Baumeister),
scheitert sie doch im Verlauf des Stückes an den sich ergebenden
logischen Brüchen und Unklarheiten: Wieso spielen Dealer und
Architekt plötzlich im Theaterprojekt mit? Wer ist eigentlich
Judas in dieser Geschichte? Im Verlauf des Stückes vermischen sich
die Handlungsebenen derart, dass nicht mehr nachvollziehbar ist, was in
der Originalgeschichte passiert und was in der Rahmenhandlung. Dies
gilt insbesondere auch für Judas' Verrat
und Jesu Kreuzigung.
Zumindest schließt sich der Kreis der Geschichte am Ende wieder,
wenn der
Architekt wie am Anfang die Halle mit seinem Umbauplan durchschreitet
und sich vor dem leeren Kreuz erschreckt.
Johann
Kleinheinz arbeitet bei seinem Lichtdesign vielfach mit fahlen
Lichtstimmungen; die Blau- und Gelbtöne geben das Arbeitslicht in
einer Werkshalle wieder. In
der Tempelszene kommt mit rötlicher Beleuchtung intensivere Farbe
ins
Spiel. Die Ausleuchtung der Kreuzigungsszene mit einer blendenden
Scheinwerferbatterie von hinten erinnert doch sehr an die
Originalinszenierung der Really Useful Group. Ein besonderer Fauxpas:
Bei einigen sehr hell ausgeleuchteten Szenen kann man die deutschen
Übertitel nicht mehr sehen - schade für Zuschauer, die
Probleme mit dem englischen Text des Stückes haben. Dies muss
nicht unbedingt an mangelnden Fremdsprachenkenntnissen liegen; leider
bleibt bei lauten Orchesterstellen die Sprachverständlichkeit
manchmal etwas auf der Strecke. Insgesamt klingt die Tonmischung von Steffan Rossi und Andreas Lamprecht zumindest im Rang
aufgrund fehlender Höhen etwas zu dumpf.


Schauspielerisch gut zeigen
sich die Dealer-Priester mit Andreas
Mattersberger (Kaiphas), Leo
Adalsteinsson (Annas), Holger
Kapteinat, Stefan Salvenmoser
und Stanislav Stambolov.
Andreas
Mattersberger fehlt allerdings der tiefe Bass, den man eigentlich von
Kaiphas erwartet. Die Soul-Girls Kristina
Cosumano, Ana Paula Querioz,
Martine Reyn und Jolanta Szunejko werden von der
Regie zum Background-Chor degradiert und bleiben dementsprechend
unauffällig.