Foto oben und unten: "Musical Swings!" - Thomas
Borchert & Big Band live im Ebertbad Fotograf Bild oben, unten und Fotogalerie: Michael Beetzen
Am 31.10.2008 gab Thomas Borchert ein weiteres seiner gefragten
Konzerte in der "Musicalstars in Concert"-Reihe im Oberhausener
Ebertbad. Am Abend, an dem andernorts das Thema "Halloween" den
Veranstaltungsplan bestimmte, trat Thomas Borchert mit Big Band auf und
erfreute damit nicht nur sein Musical-Publikum. - Schließlich war
nicht irgendeine Big Band zu hören, sondern es handelte sich um
die elfköpfige Formation unter Leitung von Lutz Krajenski,
die
für ihre Zusammenarbeit mit Roger Cicero bekannt ist!
Band Leader Lutz Krajenski saß im Ebertbad nicht nur am
Flügel, sondern hatte auch für die vorzüglichen
Arrangements gesorgt, die so manche musikalische Überraschung
bereithielten. So begann das "West Side Story"-Medley mit
östlich-orientalischen Klängen. Über die bekannten
Akkorde von "Take Five", des wohl bekanntesten Titels des Dave
Brubeck-Quartetts aus der Feder von Saxophonist Paul Desmond,
entfaltete sich "Summertime" aus "Porgy & Bess")...
Doch der Reihe nach: Der erste, der im Swing-, Bossa Nova- oder
Latin-Kostüm präsentierten Musical-Songs, war eine flotte
Swing-Version von "This Is The Moment" aus "Jekyll & Hyde", und
diesen "Moment" brauchten Thomas Borchert und die Tontechnik, um sich
aufzuwärmen - sprich: die folgenden Titel optimal darzubieten.
Auch das Publikum brauchte eine Weile, um aus sich herauszugehen und
den Instrumentalisten (wie bei Jazz-Konzerten üblich) direkt nach
ihren Soli Applaus zu spenden. Mit dem Titelsong aus "Beauty & The
Beast", der wohl selten so in die Füße ging wie in dieser
Version, setzte Thomas Borchert sein Programm fort. Vor der
nächsten Nummer, "Memory" aus "Cats", erzählte der
Musicalstar lebhaft von der "Cats"-Audition zu Beginn seiner
Musical-Karriere, erläuterte damit nicht nur seine Liedwahl,
sondern ließ die Konzertbesucher lauthals lachen. - Kurz: Der
Künstler stellte wieder einmal seine außerordentliche
Qualität als Entertainer unter Beweis. Bei Marylin Monroes Klassiker "I Wanna Be
Loved By You" wurde das
Publikum gesanglich mit einbezogen und hatte viel Spaß dabei.
Mit "You're The One That I Want" ("Grease"), "High Flying Adored"
("Evita") und "The Phantom Of The Opera" aus dem gleichnamigen Lloyd
Webber-Stück wurden weitere Musicalhits in interessanten, absolut
hörenswerten Versionen interpretiert. Es folgte ein "West Side
Story"-Block ("America", "Maria", "Somewhere", "Tonight"), der mit
einem instrumentalen Medley eingeleitet wurde.
Mit diesem Programmabschnitt endete der erste Teil des Konzerts nach
knapp einer Stunde.
Den zweiten Teil nach der Pause eröffnete ein Instrumentaltitel
der Big Band und brachte das Publikum wieder in Stimmung. Neben Pianist
und Band-Leiter Lutz Krajenski komplettierten Oliver
Karstens (Bass) und Christian Schoenefeldt
(Schlagzeug) die Rhythmusgruppe. Ferner waren zu hören: Michi
Leuschner und Philipp Kacza (Trompete), Jon
Welch und Sebastian John (Posaune) sowie die Reed-Section
mit
Gabriel Coburger, Hans-Malte Witte, Tim Rodig und Detlef
Raschke. - Die Musiker zeigten während des gesamten Konzerts
mit ganz kleinen Ausnahmen eine fantastische Leistung!
Mit "They Can't Take That Away From Me", geschrieben von George und Ira
Gershwin und bekannt geworden durch den Fred Astaire-Film "Shall We
Dance", stand ein Standard auf dem Programm, den Thomas Borchert
genauso souverän interpretierte wie das wunderbar arrangierte
"Summertime" ("Porgy & Bess") und die Bossa Nova-Version von "The
Impossible Dream" ("The Man Of La Mancha").
Ein "My Fair Lady"-Medley wurde - wie schon das "West Side
Story"-Medley - gekonnt instrumental eingeleitet und bestand aus "Rain
In Spain", "On The Street Where You Live", einem Piano-Solo von Lutz
Krajenski und "I Could Have Danced All Night", bei dem Thomas Borchert
verschiedene Damen zum Tanz im Mittelgang aufforderte. Während des
ganzen Abends bewegte sich der Künstler sehr viel durch den Saal.
Einerseits war es schön, dass er so nah am und im Publikum
agierte, andererseits verlor man ihn dann je nach Sitzplatz auch immer
wieder aus den Augen. Mir persönlich hätte es besser
gefallen, wenn Thomas Borchert nicht ganz so oft im Mittelgang gesungen
hätte.
Nach den eher "klassischen" "My Fair Lady"-Titeln heizten Thomas
Borchert und die Musiker mit "Sweet Transvestite" ("Rocky Horror Show")
und dem "Fame"-Titelsong ein.
Als Zugabe erinnerte der vielseitige Musicaldarsteller Borchert mit
"Total Eclipse Of The Heart" an seine Zeit als Graf von Krolock im
"Tanz der Vampire". Die Big Band wurde mit dieser Zugabe nach rund
einer weiteren Stunde, die der zweite Teil bis dahin gedauert hatte, in
ihren wohlverdienten Feierabend entlassen. - Aber kein Thomas
Borchert-Konzert, bei dem er sich nicht noch selbst in die Tasten
greift! Gut zwanzig Minuten hängte er dem Konzert, das insgesamt
eine vernünftige Länge hatte, noch einmal an. Er gab - wie
schon bei seinem letzten Konzert im Ebertbad - eine sehr spezielle
Fassung von "Der letzte Tanz" ("Elisabeth") zum Besten (diesmal
inklusive nachgeahmter Jimi Hendrix-Gitarre!), ließ das Publikum
nochmals bei "I Wanna Be Loved By You" mitsingen und lieferte mit
seiner "Shake It, Oberhausen!"-Improvisation die wohl
unverschämteste, aber gleichzeitig charmanteste Eigenwerbung
für weitere Konzerte ab, die man im Ebertbad je gehört hat!
;-)
"Oberhausen, du machst mich richtig glücklich, denn hier kann ich
machen, was ich richtig will", so lautete eine der von Thomas Borchert
spontan getexteten Zeilen, und sie gab den Eindruck des Abends treffend
wieder. Man hatte hier einen Künstler, der ganz in seinem Element
war, und dem das Publikum dabei sehr gerne zuhörte und zusah. Und
selbst wenn Entertainer Thomas Borchert einmal bezüglich Namen,
Instrument oder Ort konfus war, wie es an diesem Abend vorkam,
versuchte er nicht, seinen Irrtum zu vertuschen, sondern machte spontan
eine Showeinlage daraus, indem er sich zum Beispiel zum Schämen in
die Ecke stellte. "Musical Swings!" war ein gelungener Abend mit
exzellenten Musikern und einem Thomas Bochert, der unter Beweis
stellte, dass er nicht nur ein zu Recht gut beschäftigter
Künstler und ein begnadeter Entertainer ist; auf dem Gebiet der
Jazz-Musik hat der Sänger zudem seinen eigenen Stil, der vor allem
enormes Rhythmusgefühl erfordert.
Um es einmal in typischer Online-Bewertungssprache auszudrücken:
"Tolles Konzert. Jederzeit wieder!"