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Applaus für Andreas Henning, Armin Kahl, Chris Murray und Andy Kuntz (v.l.)„Night of the Musical-Stars“ im Bonner WOKI:

Auftaktkonzert der Reihe mit Chris Murray und Gästen

 

Am vergangenen Samstag (20.06.2009) fand der Auftakt zu einer neuen Konzertreihe im Bonner WOKI-Filmpalast am Bertha-von-Suttner-Platz statt. Der Titel „Night of the Musical-Stars“ ist Programm, denn hier präsentieren sich namhafte Künstler der Musical-Branche.

 

Den Anfang machte Chris Murray. Der gefragte Darsteller hatte sich für seinen Konzertabend Unterstützung von seinen Kollegen Armin Kahl und Andy Kuntz mitgebracht. Für die musikalische Begleitung am Keyboard sorgte Andreas Henning.

 

Das Konzert begann mit leichter Verzögerung, und man konnte den Eindruck gewinnen, dass die Beteiligten an diesem Tag unter Stress standen: Liedtexte und Anmoderationen waren teilweise ein wenig holprig. Profis wären aber keine Profis, wenn sie die Situation nicht schnell im Griff hätten, und so - das sei vorweg erwähnt - steigerte sich der Abend stetig.

Armin Kahl (li.) und Chris Murray im Duett 

Präsentiert wurde ein durchdachtes Programm mit insgesamt 25 Titeln (inkl. Zugaben, eine Pause), das bekannte Nummer der drei Interpreten, aber auch Unbekannt(er)es enthielt. Zur Eröffnung wurde „Paradise Café“ (Barry Manilow) mit einem deutschen Text gesungen, der den Einstieg in einen Konzertabend wiedergab; dazu entzündete Chris Murray eine Kerze. Am Ende des Konzerts wurde das Lied - wieder mit entsprechend angepasstem Text - nochmals gesungen und die Kerze gelöscht - ein schöner Rahmen für die Veranstaltung.

Die Anordnung von lebhaften und ruhigen Liedern im Programm überzeugte und machte das Konzert ausgewogen.

 

Der eigentliche Protagonist des Abends, Chris Murray, konnte mit Titeln wie „Der unmögliche Traum“ aus „Der Mann von La Mancha“, dem Barry Manilow-Song „When October Goes“, einem ebenso gefühlvollen „Hushabye Mountain“(„Chitty Chitty Bang Bang“), Nummern wie „Shadow I Am“ aus „ChristO“ und seinen zahlreichen Paradesongs aus Stücken wie „Jekyll & Hyde“, „Les Misérables“, „The Scarlet Pimpernel“ oder „Jesus Christ Superstar“ eine recht große Bandbreite seines gesanglichen Könnens zeigen. Den Ausdruck der Lieder traf er immer auf den Punkt, und die Range seiner Stimme beeindruckte!Armin Kahl mit einem Solotitel

Die Titel wurden von ihren Interpreten selbst anmoderiert, und Chris Murray lieferte hier vor allem Informationen für „Musical-Insider“, die zumindest schon einmal etwas von den Stücken gehört hatten. Der Witz kam bei den Anmoderationen nicht zu kurz, die kurzweilig wie der gesamte Abend waren.

Im ersten Programmteil hatte Chris Murray - wie die anderen Künstler auch - ein wenig unter dem leider nur mäßig gefüllten Saal zu leiden: Man konnte sehen und hören, dass sich alle ins Zeug legten, aber irgendwie schien sich die Energie im Saal zu verlieren. Spätestens im zweiten Teil des Konzerts sprang der Funke von der Bühne bis in die hinteren besetzten Reihen aber richtig über... 

 

Andy Kuntz, Sänger der Band „Vanden Plas“ und Mitschöpfer des Musicals „ChristO“, in dessen Münchner Uraufführung er gemeinsam mit Chris Murray auf der Bühne stand, steht diesem im stimmlichen Wiedererkennungswert in nichts nach; beide Künstler haben eine markante Klangfarbe. Andy Kuntz erinnert dabei streckenweise an „Scorpions“-Frontmann Klaus Meine. Man kann diesen Klang mögen oder nicht: Hat man einmal ein Bühnenstück aus der Feder von Andy Kuntz mit ihm auf der Bühne gesehen, bleibt der akustische Eindruck nachhaltig haften, und man kann sich das Stück kaum ohne diese Stimme vorstellen. Den „Queen“-Song „The Show Must Go On“ präsentierte Andy Kuntz in sehr flottem Tempo, so dass das Lied an Ausdruck verlor. (Das mag auch an Andreas Henning an den Keys gelegen haben, der für die musikalische Leitung gesorgt hat.) Glänzen konnte Andy Kuntz bei seinen „ChristO“-Titeln gemeinsam mit Murray/Kahl, und auch im „Jesus Christ Superstar“-Block, wo er den Judas-Part sang, überzeugte er durch eine interessante Interpretation. Eine Fähigkeit, die dieser Rolle definitiv zu Gute kommt, beherrscht Andy Kuntz: nämlich die, kraftvolle Höhen hervorzubringen!   

Chris Murray (li.) und Andy Kuntz bei ihrem Auftritt im Bonner WOKI

Armin Kahl, spätestens bekannt durch seine Rolle in „Elisabeth - Die Legende einer Heiligen“, verfügt zwar nicht über eine so markante Stimme wie seine beiden Kollegen, aber er beherrscht sie! Neben Songs wie „Maria“ aus Bernsteins „West Side Story“ oder „Wer ich wirklich bin/Dir gehört mein Herz“ aus dem Disney-Musical „Tarzan” (Musik: Phil Collins), überraschte er in der Tat mit einer lebhaften „Surprise“-Interpretation (aus: „A Chorus Line“). Besonders interessant war der Titel „Die Wahrheit in mir“. Der Song stammt aus dem bislang nicht aufgeführten Musical „Braveheart“ aus der Feder von Wolfgang DeMarco (Text) und Todd Schroeder (Musik), das 2011 auf die Bühne kommen soll.

 

Andreas Henning begleitete alle Songs souverän; die Tempi überzeugten fast alle; die Zusammenarbeit mit den Sängern klappte sehr ordentlich, so dass es kaum musikalisch hakte. In einem Konzert, das Chris Murray als „unplugged“ ankündigte, hätte man sich statt eines Keyboards mit E-Piano-Sound ein akustisches Klavier gewünscht.  

 

Zur Technik: In einem Kino liegt es nahe, Projektionen einzusetzen, und das tat man auch. Dazu kamen plakative, große Beleuchtungseffekte, die zusätzlich zu hellen Verfolgern teilweise zu dominant wirkten und von den Künstlern mehr ablenkten, als sie zu unterstützen. Etwas weniger wäre hier mehr gewesen. Diese Wirkung mag auch mit dem nicht voll besetzten Saal zu tun gehabt haben; die Stimmung war zu intim für wuchtige Effekte. Das traf an ein paar Stellen auch auf den Ton zu (Reverb); mancher Echo-Effekt wirkte zu stark. Man kann nur hoffen, dass die Veranstaltungsserie in Zukunft regen Zuspruch findet, „Night of the Musical-Stars“: Chris Murray live on stagedamit sich so etwas von alleine regelt; ansonsten war der Ton nämlich sehr ausgewogen (zumindest in Reihe 7; ein paar Zuschauer aus den vordersten Reihen setzten sich nach der Pause nach hinten, weil es ihnen einseitig zu laut war).

 

Das beinahe ausschließlich aus angereisten Musical-Freunden bestehende Publikum erlebte einen unterhaltsamen Abend und feierte die Künstler bei ihrer Zugabe, dem „Queen“-Titel „We Are The Champions“. Nach lang anhaltenden, stehenden Ovationen bekamen die Zuschauer zu guter Letzt Chris Murray mit „Falke auf der Jagd“ aus dem Wildhorn-Musical „The Scarlet Pimpernel“ zu hören, auf das sie schon gewartet hatten.

 

Fazit: Bei der ersten „Night of the Musical-Stars“ bekam das Publikum ehrliche Arbeit aller Beteiligten geboten. Die professionelle Präsentation der Konzertreihe lässt sich sicher noch steigern - angefangen beim etwas dürftig gestalteten und mir einigen Fehlern behafteten Programmblatt. Mehr Medienpräsenz bzw. Werbung innerhalb Bonns, ein paar einleitende Worte des Veranstalters zu Konzertbeginn und der verbale Hinweis auf die nächste Veranstaltung der Reihe am Ende hätten sicherlich nicht geschadet. Der Anfang ist jedoch gemacht, und man kann sich nur wünschen, dass die „Night of the Musical-Stars“-Konzerte sich zu einer festen Größe in der Musical-Landschaft mausern werden.

 

Claudia Bauer-Püschel

(23.06.2009)