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Gefühlvolle Songs mit Felix Martin und Maya HakvoortWas lange währt, wird richtig gut!

Maya Hakvoort und Felix Martin mit „True Love - Die schönsten Liebeslieder des Musicals“

 

Am 20. Februar 2010 feierte man in der „Musicalstars in Concert“-Location, dem Oberhausener Ebertbad, eine weitere Premiere der zu einem festen Bestandteil der Musicalszene gewordenen Konzertreihe. „True Love - Die schönsten Liebeslieder des Musicals“ hieß das Programm des Abends, das zwei seit Jahren beliebte Musicalstars auf die Bühne brachten: Maya Hakvoort und Felix Martin. Musikalisch begleitet wurden sie von Marina Komissartchik, die den Flügel gewohnt virtuos beherrschte und den Abend mit ihrem Intro eröffnete.

 

Maya Hakvoort singt die Audrey, Felix Martin den Seymour aus „Der kleine Horrorladen“Was das ausverkaufte Ebertbad erwartete, war dann ein ausgewogenes Konzert voller Musical-Highlights, das - auch wenn langsame Lieder deutlich in der Mehrzahl waren - alles andere als schleppend oder monoton daherkam. Zum positiven Gesamterlebnis trug auch die charmante Moderation der beiden Künstler bei, die gut durchdacht war, aber auch Raum für Spontaneität ließ. Beide Protagonisten erschienen dadurch nicht nur professionell, sondern auch sympathisch.

 

Die Liedauswahl repräsentierte im Wesentlichen die großen Rollen von Maya Hakvoort und Felix Martin sowie zugleich deren ganz persönliche Musicalgeschichte. So ließ Maya Hakvoort bei den vier Zugaben auch den Beginn ihrer Karriere in Deutschland mit „Inside Looking Out“ (aus „Gaudí“, Stadttheater Aachen, 1993) Revue passieren.

 

Eine Musical-Preview war auch unter den Bonus-Titeln, nämlich „Till I Hear You Sing Once More“ aus dem Musical „Love Never Dies“, das stimmgewaltig von Felix Martin interpretiert wurde. Andrew Lloyd Webbers „Phantom der Oper“-Fortsetzung (Text: Glenn Slater) wird am 9. März 2010 im Londoner Adelphi Theatre seine Welturaufführung erleben.

 

Bis zu diesen beiden (von insgesamt vier) Zugaben boten die zwei Top-Solisten des Abends Schlag auf Schlag bekannte, beliebte Musicalhits. Der Begriff „Liebeslied“ war alles andere als eng gefasst und das Der Tod und seine Elisabeth: Maya Hakvoort und Felix Martin bei ihrem „Elisabeth“-BlockRepertoire absolut nicht auf Schnulzen beschränkt. Mit Herz wurde das Programm dargeboten., darunter ein „Elisabeth“-Block, den die interpreten mit viel Frische darboten - bemerkenswert, wenn man bedenkt, wie oft Maya Hakvoort als Elisabeth und Felix Martin als Tod auf der Bühne gestanden haben.

 

Im ausgedehnten, aber keinesfalls langatmigen „Les Misérables“-Block präsentierten die Solisten jeweils Interpretationen verschiedener Rollen: Fantine/Eponine bzw. Javert/Marius. Dabei überraschte vor allem Maya Hakvoort mit Wandlungsfähigkeit. Die Eponine sang sie mit jugendlicher Ausstrahlung und passender Stimmfärbung; der Fantine verlieh sie adäquate Reife. Ihr enormes Klangvolumen stellten beide Künstler mit Unterstützung von Marina Komissartchik bei „Hört ihr, wie das Volk erklingt?“ unter Beweis: Sie sangen die Nummer, die sonst von der Kraft eines ganzen Ensembles lebt, einfach mitreißend!    

 

Zum Plus des Konzerts gehörte auch seine Optik mit klarem Lichtdesign und schlicht, aber effektvoll strukturierter Bühne (links der schwarze Flügel, rechts ein Sofa mit rotem Überwurf). Eleganz war hier das Stichwort, das auch von der wechselnden, stilvollen Garderobe aller drei Künstler unterstrichen wurde.  Die gesamte Show überzeugte zudem auch durch ein sehr ansprechendes Staging, das die Titelinhalte betonte. Der Saal des Ebertbades wurde dabei gut ins Show-Konzept integriert.

 

Felix Martin und Maya Hakvoort präsentieren ihr Konzert-Programm „True Love“Jugendlicher wurde die Konzertkleidung für die Songs aus „Der kleine Horrorladen“, wo Maya Hakvoort als Audrey und Felix Martin als Seymour ihr komödiantisches Talent zeigten - eine authentisch-süße Darbietung!

 

Seine Professionalität bewies Felix Martin auch am Rande: „Totale Finsternis“ („Tanz der Vampire“) begann er im Rang des Ebertbads, um dann während eines Instrumentalteils die Treppe herunter zu kommen und sein Lied im Mittelgang fortzusetzen. Im Dunkel des Saals nahm Felix Martin nahezu unbemerkt einen Schluck aus einem Glas zu sich und stand im nächsten Moment wieder als Krolock im Scheinwerferlicht. Wie es aussieht, wenn ein Künstler sich blitzschnell in die Stimmung eines Liedes hineinversetzt, bekommt der Zuschauer in der Regel nicht mit; Felix Martin beherrscht diese Kunst ganz offensichtlich.

Bei „Die unstillbare Gier“ überzeugte der Musical-Darsteller nicht ganz; bei seiner Interpretation setzte er auf „Show“. Weniger wäre hier angemessener gewesen - eine Sache des Rollenverständnisses. - Die Fans waren auf jeden Fall begeistert.Bissig: Felix Martin als Graf von Krolock und Maya Hakvoort als Sarah mit „Totale Finsternis“

 

Will man an „True Love“ - der entsprechende Cole Porter-Song war natürlich auch im Programm - etwas ernsthaft bemängeln, dann ist es die Tatsache, dass weder Maya Hakvoort, noch Felix Martin zu 100% textsicher waren. Bei Maya Hakvoort fielen grammatikalische Unsicherheiten (Artikel/Kasus) auf, die bei lange bekannten, einstudierten Texten stören. Was die gebürtige Niederländerin beim freien Sprechen zusätzlich charmant macht, war für sie im professionellen Bereich ungewöhnlich. Unterm Strich überzeugten beide Künstler jedoch absolut!             

 

Neben aller Ausgelassenheit hatten Maya Hakvoort und Felix Martin auch den Ernst des Lebens im Blick; sie ließen nämlich nach Konzertende Spenden für die Erdbebenopfer in Haiti sammeln.

 

Während des Konzerts erwähnten Maya Hakvoort und Felix Martin, dass sie schon vor Jahren ein gemeinsames Soloprogramm ins Auge gefasst hatten, ein Projekt, das nun endlich realisiert wurde. Da kann man zum Schluss nur sagen: „Was lange währt, wird richtig gut!“ Das Publikum verließ den Veranstaltungssaal beschwingt und mit dem Eindruck, dort einen mehr als netten Abend verbracht zu haben.

 

Claudia Bauer-Püschel

(25.02.2010)

 

Maya Hakvoort, Felix Martin im HintergrundMaya Hakvoort im Oberhausener EbertbadBesingt auch die dunkle Seite der Liebe: Felix MartinMusicalstars in Concert: Felix Martin und Maya Hakvoort