Am 14. Februar 2003 feierte Frank Wildhorns "The Scarlet
Pimpernel" am
Opernhaus Halle seine deutschsprachige Uraufführung. (Musicals
Unlimited berichtete.) Seitdem ist das komödiantisch
angehauchte Musical, das in den Wirren der französischen
Revolution angesiedelt ist und den englisch-französischen Konflikt
auf unterhaltsame Art thematisiert, dort äußerst
erfolgreich gelaufen und wurde am 27. Januar 2007 erneut in den
Spielplan aufgenommen. Für die aktuelle Spielzeit ist
Premierenbesetzung Darius Merstein-MacLeod wieder als Sir
Percival
Blakeney alias The Scarlet Pimpernel ans Opernhaus Halle
zurückgekehrt. Maricel gab ihren Einstand in der Rolle der
Marguerite St. Just.
Zur Inszenierung (Robert Herzl) an sich sei an dieser Stelle
nicht mehr viel gesagt. "The Scarlet Pimpernel" hat in der Version, die
am Opernhaus Halle gespielt wird (Bearbeitung: Robert Herzl
/ Koen Schoots), durchaus dramaturgische Schwächen, doch
insgesamt hinterläßt das Stück einen so positiven
Eindruck, daß man gerne darüber hinwegsieht. Der Zuschauer
verläßt das Theater mit dem Gefühl, einen schönen
Abend gehabt zu haben, und das zählt.
Objektiv betrachtet weist auch die Choreographie (Rosita
Steinhauser)
in Entwurf und Umsetzung durch das Ballett Rossa nach wie vor
Schwächen auf, und das Bühnenbild (Bernd Leistner)
mit seiner sich fortwährend drehenden Bühne verursacht auch
noch in der fünften Spielzeit leichten Schwindel. Bei aller Kritik
muß man jedoch bedenken, daß das Opernhaus Halle nicht
über den Etat eines A-Hauses verfügt. Götz Lanzelot
Fischers überbordende Kostüme setzen immer noch optische
Highlights in der Produktion.
Die Staatskapelle Halle spielte am Abend der Wiederaufnahme unter
Leitung von Koen Schoots frisch und gut intoniert auf. Im
Mittelpunkt standen jedoch die Protagonisten des Musicals:
Darius Merstein-MacLeod knüpfte nahtlos an seinen Erfolg in
der Rolle des Sir Percy an und begeisterte dabei auch ein junges
Publikum, das zum Teil nur seinen Nachfolger Chris Goetten als
Scarlet Pimpernel gesehen hatte. Anfängliche Skepsis wich dabei
einer Menge Spaß und hoher Achtung vor der "tollen Stimme".
Großes Stimmvolumen und nuancenreiches Spiel zeichneten Darius
Mersteins Darstellung auch diesmal wieder aus.
Maricel war erstmals in der Rolle von Percys Ehefrau Marguerite
zu sehen und zu hören. Nach nur vier Tagen Probe am Opernhaus
brachte sie eine Leistung, die sich mehr als nur sehen ließ! Die
Künstlerin ist ein echter Gewinn für "The Scarlet Pimpernel",
bringt sie doch mit ihrer Art frischen Wind in die Produktion. Sie
interpretiert ihre Rolle glaubwürdig, läßt gesanglich
nichts zu wünschen übrig und verfügt über eine
extrem gute Textverständlichkeit, was bei den akustischen
Gegebenheiten des Hauses nicht selbstverständlich ist. Maricel
stehen Rolle und Kostüme der Marguerite einfach gut!
Wie bereits in den vorangegangenen Spielzeiten ist Christopher
Murray als Percys Widersacher Chauvelin zu bewundern und beweist
erneut, warum er inzwischen ein sehr viel gefragter Musicaldarsteller
ist: Mit Stimme und Präsenz weiß er das Publikum zu
beeindrucken.
Zoltán Tombor als Marguerites Bruder Armand konnte wie
gehabt am stärksten bei seinem Duett mit Marguerite ("Du gibst mir
Halt") glänzen.
Als Percys Freunde sorgten Gerd Vogel (Lord Anthony Dewhurst), Björn
Christian Kuhn (Sir John "Ozzy" Osbert), Andreas Guhlmann
(Frederic Elton), MichaelMehnert (Lord Andrew "Andy"
Farleigh), Karsten Döring (Hal Stenton) und Timothy
Alois Cruickshank (Benjamin Stubbs) für Humor.
In weiteren Rollen traten auf: Gabriele Bernsdorf (Marie
Grosholtz), Jörg Decker (Tussaud), Karl Heinz Freiberg
(Mercier), Felix Neander (Robespierre), HaraldKobs
(Prince of Wales), Myrsini Margariti (Hélène), Monique
Kießler (Chloé), Peter Winger (Marquis de St.
Cyr) und Sven Langenhahn (Jessup).
Am Ende der Vorstellung gab es stehende Ovationen für das
Ensemble. "The Scarlet Pimpernel" ist auch in der fünften
Spielzeit immer noch einen Besuch wert. Daß bei der
Wiederaufnahme vor allem viele sehr junge Zuschauer im Publikum waren,
ist als gutes Zeichen zu betrachten: Jedes Stück, daß es
schafft, Kindern und Jugendlichen das Theater näher zu bringen,
ist es wert, gespielt zu werden.