Maricel als Marguerite St. Just in der Badener Inszenierung  von
"The Scarlet Pimpernel"
Bilddetail (oben) und alle Fotos: www.christian-husar.com

Maricel erzählt:

Von vielfältigen Projekten und der Faszination der Französischen Revolution



Am 19. Oktober 2008, einen Tag nach ihrer Badener "Scarlet Pimpernel"-Premiere traf sich Marguerite-Darstellerin Maricel mit Musicals Unlimited zu einem Interview. Hier sind ihre lesenswerten Antworten: 


Musicals Unlimited:
Maricel, können Sie unseren Lesern, die vielleicht nicht im Bilde sind, zunächst etwas über Ihre Projekte der letzten Zeit erzählen?

Maricel: Mein größtes Projekt war sicherlich 'Zacharias, der kleine Zahlenteufel'. Das ist ein Kindermusical, das ich nicht nur mitgeschrieben habe, als Autor also mit im Boot sitze, sondern in dem Fall auch das erste Mal Regie geführt habe, zumindest das erste Mal bei einer so professionellen Produktion. Sie läuft sehr gut und wird im Moment auf Tour durch Schulen geschickt, wo sie schon hunderte von Aufführungen gehabt hat bzw. Aufführungen bereits gebucht sind. Es läuft wirklich sehr, sehr gut. Wir haben für 'Der kleine Zahlenteufel' jetzt auch von einer Plattenfirma namens Jumbo - das ist ein ziemlich großer Hörbuchverlag; das Logo mit dem kleinen roten Elefanten kennt bestimmt jeder - einen Plattenvertrag bekommen. Das ist natürlich an sich schon toll, und dann wurde ich auch noch als Künstlerin verpflichtet, den Zahlenteufel zu sprechen. Das war eine ziemlich große Herausforderung, denn man spricht ja nicht alle Tage so einen steinalten Zahlenteufel. Das war insgesamt schon ein ganz tolles Projekt. Auch wenn 'Der kleine Zahlenteufel' ein Kinderstück ist, ist es so anspruchsvoll in der ganzen Umsetzung! - Angefangen damit, die erste Zeile zu schreiben, die Geschichte letztendlich zu sprechen oder mit Kostümen und Bühnenbild auf die Bühne zu bringen, es war alles sehr aufwändig. Wir haben es extra so geplant, dass es nicht einfach nur ein banales Kinderding ist, sondern eben etwas mit Anspruch, woran auch Erwachsene Spaß haben, wo man ein bisschen drüber nachdenkt, was pfiffig.ist und wo eine breite Zuhörerschaft etwas mit anfangen kann. Ich denke, das ist uns ganz gut gelungen; die ersten Resonanzen sind zumindest gut, und wir freuen uns natürlich tierisch darüber! - Das war das eine Projekt.
Im Sommer habe ich außerdem viele Gala-Projekte gemacht. Ich habe unter anderem mit Randy Diamond, Jan Ammann und Nicole Ciroth auf einer Alm gesungen. Es gab ein altes  Segelschiff als Dekoration; das Ganze war auf einer Burg, die sich mitten im Nichts befindet. Ich habe quasi eine Tour durch die Natur gemacht. (Maricel lacht, als sie das sagt und den Gleichklang der Substantive bemerkt.) Wir haben sehr schöne Galas im Open Air-Bereich gemacht. Das war so toll, so spannend, so wunderschöne Natur und einmal etwas ganz anderes. Wir hatten eine Menge, Menge Spaß; es war so witzig! Diese Galas gehören zu den Projekten der letzten Zeit, die mir noch sehr gut in Erinnerung sind.


Musicals Unlimited: Jetzt spielen Sie die Marguerite in 'The Scarlet Pinpernel' am Stadttheater Baden. In dieser Rolle standen sie bereits auf der Bühne der Oper Halle. Worin liegen Reiz bzw. Herausforderung, eine Rolle an zwei verschiedenen Häusern zu spielen?

Maricel: Ich habe die Rolle in Halle ja nicht so lange gespielt, denn ich habe sie erst relativ spät übernommen. Die Rolle ist so groß, dass man immer noch etwas dazulernen kann. In diesem war der Reiz für mich - da ich ja mit dem Regisseur, 'Bobby' Herzl, in Halle nicht zusammengearbeitet habe - hier zu erfahren, wie er die Rolle eigentlich angelegt hat. In Halle bin ich kurzfristig eingesprungen und habe mir die Rolle selbst 'zusammenwurschteln' müssen. - Robert Herzl fand es übrigens gut, wie ich das gemacht habe, und da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen, denn es hätte ja auch sein können, dass es ihm überhaupt nicht gefällt. Er hat mich aber gelobt, dass es gut war. Hier konnte ich mit ihm aber die ganze Rolle von Grund auf noch einmal erarbeiten. - Wie sieht er das Ganze? Wie hat er das überhaupt inszeniert? - Das zu erarbeiten war für mich eine sehr große schauspielerische Herausforderung. Für mich haben bei der Marguerite Gesang und Schauspiel gleich viel Gewicht. Wir haben hier sehr viel am Schauspielerischen gearbeitet.


Musicals Unlimited:
Wenn man in einer Rolle, die man dann das zweite Mal spielt, eben schon Erfahrung mitbringt, hat man dadurch nur Vorteile, oder verursacht das vielleicht auch neue Schwierigkeiten?

Maricel:
Beides. Auf der einen Seite hat man den Vorteil, natürlich sehr textsicher zu sein, und man hat eine ungefähre Idee, wohin die Reise geht. Das bedeutet, man hat so eine Grundsicherheit; das ist ganz anders, als wenn man völlig neu anfängt, nicht weiß, was man machen kann und noch sucht. Für mich ist das immer einfacher, wenn ich eine Basis habe: Dann kann ich relativ schnell Sachen umstellen und verstehe in den meisten Fällen schnell, was der Regisseur will. Ein bisschen schwieriger ist es, wenn man etwas sehr oft gemacht hat, und man muss es plötzlich nur ein bisschen anders machen, aber selbst damit habe ich nicht wirklich Probleme, da ich schnell umschalten kann. Das geht eigentlich ganz gut. Schwieriger ist es bestimmt bei Choreografien, die man so sehr in sich drin hat; aber das ist ja bei diesem Stück hier nicht der Fall.


Musicals Unlimited:
Wo sehen Sie in Bezug auf Ihre Rolle den essenziellsten Unterschied zur Produktion in Halle?

Maricel:
Sie hat viel mehr Wärme zu Percy. Wir haben viel mehr Momente, in denen man die Liebe zu Percy spürt. Wir hatten in Halle nicht solche kleinen Momente, wo die Liebe durchgeblitzt ist. Ich habe hier auch mit dem Scarlet Pimpernel, wenn er kommt und sagt: 'Gehen sie zu ihrem Mann; er liebt sie', dieses Gefühl.  Schon alleine, wie er mich so packt... Da merke ich einfach auch Percy durchschimmern, und solche Momente hatten wir in Halle nicht in der Art. Das ist, denke ich, das Intensivste, das sich geändert hat. Auch die Beziehung zu Chauvelin ist intensiver geworden, dieses Hin- und Hergerissen sein zwischen den beiden Männern am Anfang ist hier auch ein bisschen mehr herausgearbeitet worden.


Musicals Unlimited: Jetzt spielt das Musicals 'The Scarlet Pimpernel' ja zur Zeit der französischen Revolution und 'Marie Antoinette', in dem Sie 2009 zu sehen sein werden, spielt ebenfalls zu dieser Zeit. Haben Sie persönlich ein Faible für diese Epoche?

Maricel:
Ehrlich gesagt, ja! (Maricel lacht.) Es ist tatsächlich so, dass ich Stücke, die in dieser Epoche spielen, unglaublich interessant finde, weil sie so stark von Kostümen, Bühne und Kultur geprägt sind. Es sind meistens Historiendramen,die ich einfach toll finde! So ein Stück macht so viel her: von der Optik und vom Inhalt her. Historiendramen sind spannend und so einzigartig! Es fällt mir sehr leicht, mich in diese Epoche hineinfallen zu lassen, mich hinein zu versetzen, und es macht mir Spaß. Das Ganze ist sehr prägend; es hat typische Merkmale, die mit sehr gefallen. Dazu gehören die Kostüme oder die Art und Weise, wie man spricht, oft auch das Bühnenbild. Ich mag es gerne sehr romantisch. - Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie 'Marie Antoinette' wird, denn davon habe ich bislang noch gar nichts gesehen, noch nicht einmal das Textbuch. - Ich bin sehr gespannt.


Musicals Unlimited: Wie bereiten Sie sich auf solche historischen Rollen vor? Betreiben Sie intensives Quellenstudium, oder was machen Sie?

Maricel: Das kommt ein bisschen darauf an... - 'The Scarlet Pimpernel' spielt zur Zeit der französischen Revolution, über die ich natürlich in der Schule etwas gelernt habe. Darüber habe ich speziell nicht so viel gelesen; das meiste ist Allgemeinbildung. Außerdem sind die Charaktere - mit wenigen Ausnahmen wie Robespierre - in diesem Stück ja erfunden. Es ist alles Fiktion auf Basis von Tatsachen. Bei 'Marie Antoinette' da lese ich natürlich. Das ist ja eine Person, die real existiert hat, und da forsche ich natürlich, lese Bücher, schaue Filme und recherchiere im Internet. Ich bin sehr gespannt, wie 'Marie Antoinette' im Musical angelegt wird, denn auf diese Person gibt es verschiedene Sichtweisen. Da bin ich wirklich sehr gespannt...


Musicals Unlimited: Rechnen Sie zum jetzigen Zeitpunkt mit Parallelen in der Anlage der beiden Frauencharaktere Marguerite und Marie Antoinette?

Maricel: Ich denke, beide Personen haben sehr viel Stolz. 'Stolz' ist das Wort, das ich als erstes sagen kann, ohne es wirklich aus dem Drehbuch zu wissen; ich kenne die Figur der Marie Antoinette nur ein kleines bisschen aus der Work Session. Marguerite ist auch eine sehr stolze Person. - Beide fangen mit M-a an. - Marguerite ist auf der anderen Seite natürlich auch sehr verletzlich und sensibel, was sie nach außen hin nicht zeigt. Ich könnte mir vorstellen, dass Marie Antoinette auch so war, dass sie ihre Gefühle nach außen hin heruntergeschluckt und nicht gezeigt hat. Bei Marie Antoinette ist es bestimmt viel extremer als bei Marguerite, aber da bin ich noch nicht richtig am Thema.


Musicals Unlimited: Können Sie uns Ihr genaues Premierendatum als Marie Antoinette nennen?

Maricel:
Leider noch nicht, aber ich nehme an, es wird der 01. oder 02. Februar sein.


Musicals Unlimited:
Wie oft werden Sie als Marie Antoinette auf der Bühne stehen?

Maricel: Ich spiele mindestens zehn Vorstellungen im Monat, aber ich bin ziemlich sicher, dass es mehr als zehn Vorstellungen werden. Ich bin ja alternierende Erstbesetzung, und das ist vertraglich extra festgehalten, weil es wahrscheinlich so ist, dass ich die Hälfte der Shows spiele. Ich bin froh, nicht alle Vorstellungen zu spielen, denn das ist schon sehr intensiv und heftig. Wenn man zwischendurch einfach mal Zeit zum Atmen hat, dann ist das gut - so wie hier zum Beispiel. Zwischendurch ein paar Tage frei zu haben, um Distanz zur Rolle zu gewinnen, zu atmen und frisch und frei zu bleiben, das finde ich sehr wichtig. Ich habe zwei Jahre lang en suite 'Aida' gespielt, und es ist schon ein Riesenanspruch für die Psyche, das jeden Tag zu machen. Deshalb bin ich froh, dass es im Fall von 'Marie Antoinette' so ist, dass ich Pi mal Daumen voraussichtlich die Hälfte spiele. Wenn man nicht jede Vorstellung spielen muss, kann man die einzelnen Shows mehr genießen. Darum wäre ich auch ziefrieden, wenn ich doch nur zehn Shows pro Monat spielen würde.


Musicals Unlimited: Können Sie uns schon etwas über weitere Projekte verraten?

Maricel: Ich habe aus Deutschland und Österreich mehrere Angebote. Ich möchte dazu aber noch nicht viel sagen, weil ich die Verträge noch nicht unterschrieben habe. Sobald die Engagements ganz sicher unter Dach und Fach sind, kann man es auf www.maricel.de erfahren...

Claudia Bauer-Püschel
(24.10.2008)