v.l.n.r.: Arif Zakaria (Shantilal Merchant), Carol Furtado (Ayesha) und Deepak Rawat (Urday)
Foto: Theo O. Krath

"Bollywood - The Show"

Bollywood-Fieber in der Main-Metropole Frankfurt



In ganz Deutschland breitet sich das Bollywood-Fieber aus! Ob auf Film oder live auf der Bühne - der speziellen Entertainment-Mischung einer guten Bollywood-Produktion kann man sich nur schwer entziehen, und ist man erst einmal mit diesem Virus infiziert, will man mehr davon! Am vergangenen Wochende machte das Spektakel "Bollywood - The Show" in der Alten Oper Frankfurt Station.

Bollywood - dieser Begriff, gemischt aus den Namen Bombay (heute: Mumbai) und Hollywood, steht für die produktivste Filmindustrie der Welt, in der ganze Familienclans vor und hinter der Kamera tätig und berühmt geworden sind. Zu diesen Familien gehören auch die Merchants, und der Untertitel "The Story of the Merchant Family" beschreibt, von welcher realen Geschichte sich "Bollywood - The Show"-Autor und -Regisseur Toby Gough hat inspirieren lasssen.

Die Handlung in Kürze: Ayesha Merchant, eine in Indien äußerst erfolgreiche Schaupielerin und Tänzerin, hat ihr Talent bereits in die Wiege gelegt bekommen, denn schon Großvater Shantilal Merchant gehörte zu den einflußreichsten Choreographen des indischen Kinos. Es kommt jedoch zu einem Konflikt zwischen den beiden, ausgelöst durch ihre konträren Berufsauffassungen. Der den alten Traditionen verhaftete Shantilal ist der Überzeugung, daß Filme eine Botschaft übermitteln und das Leben des Publikums verändern sollen; Ayesha möchte den Zuschauern helfen, ihrem Leben für ein paar Stunden in eine Phantasiewelt zu entfliehen.
Unter tragischen Umständen findet Ayesha schließlich wieder zu ihren Wurzeln zurück und erkennt, daß sie einen einzigartigen Tanzstil kreieren muß, der Altes und Neues vereint.

"Bollywood - The Show" enthält alle Elemente des typischen Masala-Kinos, in dem über jede Genregrenze hinweg sämtliche Gefühlszustände innerhalb eines Film vorkommen. Man erlebt in "Bollywood - The Show" einen Konflikt mit tragischer Wendung, eine Liebesgeschichte, Slapstick, Tanznummern mit viel Action - und zu guter Letzt kommt das Happy End.

Basis der Produktion sind mehr oder weniger bekannte Bollywood-Soundtracks, die bis auf ein paar Trommeleinlagen, wofür insgesamt fünf Musiker auftreten, vom Band kommen. Live-Musik macht da eindeutig mehr her; besonders bei Titeln wie "Shava Shava" aus dem hierzulande wohl beliebtesten Bollywood-Film "Khabie Kushie Khabie Gham" ("In guten wie in schweren Tagen"), kurz "K3G" genannt, tobte das Frankfurter Publikum aber trotzdem.

Für die musikalische Seite zeichnen die Komponisten Salim und Sulaiman Merchant, in Bollywood-Filmkreisen besser bekannt als Salim-Sulaiman, verantwortlich. Beide sind übrigens nicht verwandt oder verschwägert mit Choreographin Vaibhavi Merchant.

Die energiegeladenen Choreographien zur Show schuf die bereits erwähnte Vaibhavi Merchant, die Bollywood-Fans durch Filme wie "Veer-Zaara" (2004) oder "Devdas" (2002) - um nur zwei zu nennen - ein Begriff sein dürfte.
Umgesetzt werden die schweißtreibenden Choreographien von einem 28-köpfigen Tanzensemble, das dabei alles gibt.

Solistisch treten folgende Akteure in "Bollywood - The Show" in Erscheinung:
Carol Furtado gibt eine aparte Ayesha ab. Arif Zakaria als Shantilal Merchant nimmt man vom Alter her zwar nicht ab, daß er Ayeshas Großvater ist, aber er hat Bühnenpräsenz. Deepak Rawat als Urday gibt der Figur eine sportive Note, während Chander Khanna (herrlich als überzogen schwuler Regisseur Prabhakar Chavhan Budhan), Pramod Pathak (Sujit Iyer) und Satwinder Jaspal Singh (Happy Singh) die Lacher auf ihrer Seite haben. Komplettiert wird die Solisten-Riege durch Erzähler Tony Mirchandani.

Sprache der Show ist Englisch, das in Frankfurt sehr gut zu verstehen war. Für diejenigen, die der Sprache nicht mächtig sind, gab es links und rechts über der Bühne eingeblendete Übersetzungen, die in den vordersten Reihen jedoch nicht lesbar waren. Mich hätte interessiert, wie ein eigentlich nicht übersetzbarer Gag ("First engagement ring, then wedding ring - and then suffering!") eingedeutscht worden ist.

Optisch ist "Bollywood - The Show" vor allem eines: bunt. Ob es die oftmals recht modern und sexy gestalteten Kostüme oder das Lichtdesign betrifft, Schillerndes und Grelles à la Bollywood dominiert.

Unterm Strich bietet "Bollywood - The Show" gute Unterhaltung und ist Bollywood-Fans auf jeden Fall zu empfehlen, wenngleich die konkurrierende Tourneeproduktion "Bharati" alleine schon durch die Live-Musik und auch durch die Song-Auswahl ein Stück anspruchsvoller erscheint. Wer "Bollywood - The Show" verläßt, wird auf jeden Fall noch eine Weile die Finalnummer "It's The Time To Disco" (aus "Kal Ho Naa Ho" - "Indian Love Story - Lebe und denke nicht an morgen") nicht aus dem Ohr bekommen.


Zu erwähnen ist noch die sehr schön gestaltete Homepage zu "Bollywood - The Show". Optisch ansprechend und übersichtlich gegliedert findet man dort zahlreiche Informationen und kann sich vor dem Besuch der Show Bollywood-Basiswissen aneignen. Natürlich sind dort auch weitere Tourneetermine und Hinweise zur Ticketbuchung angegeben.

Claudia Bauer-Püschel
(07.02.2007)